"It's all about good karma" – Nachhaltigkeit im Boardsport

Updated: Jul 9, 2019

Film Screening und Panel Talk mit Münchens Boardherstellern


Seit einigen Jahren wohne ich nun schon in München. Doch was hat mich hierher gebracht? Ganz einfach: die Liebe zum Boardsport und der Natur. Gerade München bietet sich für den Lifestyle auf Brettern jeglicher Art besonders an. So kann man zu jeder Jahreszeit an den Eisbach zum Surfen, im Sommer zum Kiten, SUP oder Wakeboard fahren an die Seen in der direkten Umgebung und im Winter zum Snowboarden in die nahe gelegenen Berge.


Freiheit. Den Moment genießen. Eins mit der Natur sein. Selbstverwirklichung.


Wer denkt dabei schon an Umweltverschmutzung!? Leider die wenigsten. Gerade die Industrie lässt uns oft glauben, dass wir mit einem Brett unter den Füßen in die Natur tauchen und allein damit zu passionierten Naturliebhabern erkoren sind. Doch schauen wir uns das einmal in nüchternem Zustand an: Abnutzung und Verschließ, CO2-Verbrauch bei der Anreise zum Spot und bei der Produktion von Ausrüstung und Lifestyle-Mode, sowie zu guter Letzt Abfall und giftige Chemikalien bei der Herstellung.


Doch was bedeutet das nun für uns, die den Boardsport lieben? Abstinenz? Nein!


Lasst es mich erklären:

Ja, auch ich habe eine neue Ausrüstung, wenn ich sie brauche.

Ja, auch ich setze mich ins Auto oder das Flugzeug, um zu einem Surfspot oder in die Berge zu gelangen.

Ja, auch ich bin nicht perfekt.

Aber nein, das müssen wir auch nicht!

Es geht nicht darum "perfekt" zu sein und sich selbst nichts mehr zu erlauben und ein Leben in Trauer und Einsamkeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Es geht darum, ein Bewusstsein aufzubauen. Darum, über die Auswirkungen des eigenen Handelns Bescheid zu wissen und abzuwägen. Brauche ich die neue Ausrüstung wirklich oder befriedige ich damit ein nur kurzfristiges Bedürfnis auf der Suche nach dem neusten Trend?


Die Jungs und Mädels von Good Karma Projects haben sich diesem Problem angenommen.

Mittels verschiedener Projekte und Aktionen ebnen sie den Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit im Boardsport. Sie suchen nach Lösungen für Fahrer und schärfen das Bewusstsein in der Gesellschaft. Hierfür besuchte Albert Font de Rubinat, Co-Founder & SEO von Good Karma Projects, München, um bei der diesjährigen Outdoor Ipso mehr darüber zu berichten. Als krönenden Abschluss zeigte er am letzten Tag, am 03. Juli, im SantoLoco Shop, dem lokalen Surf Shop Münchens, die neuste Dokumentation von GK Projects. "Mediterráneamente Plástico" lautet der neue Dokumentarfilm, in welchem es um das allgegenwärtige Problem Mikroplastik geht (gefilmt von Joe Delahunty).

Mikroplastik – kleine Teile, großes Problem!

Ziel des Films ist es, das Problem der Kunststoffverschmutzung sichtbar zu machen und ein Bewusstsein für die enorme Menge an Abfall zu schaffen, die wir erzeugen und die in unseren Meeren enden. So segelte das Team von Good Karma Projects auf der Suche nach Mikroplastik über das Mittelmeer, eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt.


Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gelangen schätzungsweise 650.000.000 t Abwasser, 129.000 t Mineralöl, 60.000 t Quecksilber, 3.800 t Blei und 36.000 t Phosphate jedes Jahr in das Mittelmeer.


Darunter mischt sich auch Mikroplastik. Kleine Teile, großes Problem. Mithilfe einer speziellen Anfertigung, filtert das Team auf ihrer Reise Mikroplastik von der Meeresoberfläche und analysiert die Menge und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass es ungefähr 100.000 Mikroplastikteile pro km2 gibt, was einer ähnlichen Dichte wie die der berühmten „Müllinseln“ im Pazifischen Ozean entspricht.


Im Anschluss an den Film gab es schließlich noch einen Panel Talk zum Thema regionale und nachhaltige Boardherstellung. Mit dabei die lokalen Shaper aus München von WAU Surfboards, Steckerlfish, und Riot surfboards, sowie Mioboards aus Offenbach am schönen Main und – last but not least – die Münchner Jungs von The Bakery Snowboards (von links).


Sie erzählen jeweils aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und zeigen alternative Möglichkeiten der Boardherstellung auf. Das Board von WAU Surfboards besteht zum Beispiel aus Bio-Flachsfasern, einem Upcycling-Kern, Öko-Harz und Bambus. Auch anfallende Abfallprodukte werden anstatt weg geworfen wiederverwertet, indem daraus Rucksäcke und Laptoptaschen hergestellt werden. Ben von Steckerlfish fing schon früh an, Ding Repairs (Reparaturen von Surfboards) mit Bio-Epoxy zu machen. Auch er war es, der die nachhaltige Bio-Alternative in den SantoLoco Shop brachte, wo der Endkonsument heute ebenfalls die Möglichkeit hat, diese zu erwerben. Schnell stellte er fest, dass er seine eigenen Surfboards herstellen möchte, welche vor allem den Extrembedingungen am Eisbach länger standhalten. Auch Riot surfboards fokussiert sich auf die Herstellung herkömmlicher Surfboards, welche länger halten, nachhaltig sind und trotz alledem nicht an Funktion einbüßen. Mioboards stellt verschiedene Bretter aus Holz her und hat sich dabei auf Kite-, Foil- und Longboards spezialisiert. Für diese nachhaltige Herstellung wurden sie bereits mit dem Ecoboard Goldlevel von Sustainable Surf ausgezeichnet. The Bakery Snowboards sind die einzigen lokalen Münchner Snowboard-Hersteller in der Runde. Doch auch sie stehen im Thema Nachhaltigkeit nichts nach. Neben Bio-Harz verwenden sie statt einem klassischen Holzkern, Bambus, da dieser zehn Mal so schnell nachwächst und damit auch mehr CO2 binden kann. Statt Glasfaser setzt The Bakery Snowboards in vielen Boards auf Flachs oder Hanffaser. Neben Snowboards produzieren sie mittlerweile auch Lifestyle-Mode. Diese wird aus organischen Materialien wie Bambus-Viskose und organischer Baumwolle hergestellt. Bei einer abschließenden Fragerunde hatten auch die Zuhörer noch einmal die Möglichkeit zu Wort zu kommen, um übrig gebliebene Fragen zu Herstellungsprozessen oder anderen Themengebieten zu stellen.


Zusammenfassend lässt sich sagen:

YEAH – das Bewusstsein wächst! Und doch gibt es noch viel zu tun. Wir sind bisher noch eine relativ kleine Community, welche sich wirklich aktiv für mehr Nachhaltigkeit im Boardsport einsetzt und sich den Auswirkungen des eigenen Handelns bewusst ist. Lasst uns zusammen dafür kämpfen, dass das nicht so bleibt. Wir wollen wachsen und auch die großen Fische der Industrie erreichen. Nur so ist eine wirklich nachhaltige Entwicklung und Veränderung – und damit auch Verbesserung des Zustandes der Weltmeere – möglich.

Auch ich plane aktuell neue Projekte für mehr Umweltschutz und -bewusstsein. So viel sei schon mal verraten – auch ein gemeinsames CleanUp am Eisbach mit den lokalen Boardherstellern, der Community und CleanUpMunich ist in Planung. Werdet auch ihr aktiv, indem ihr gleich jetzt die Nachricht teilt und so auch eure Freunde darüber informiert.


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© 2018 by julia graeter